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Geowissen A-Z

In den Geowissenschaften werden Terminologien verwendet, die sich nicht allen Interessierten sofort erschließen. Daher werden untenstehend die wichtigsten Begriffe in alphabetischer Reihenfolge genauer erklärt, um erdgeschichtliche Zusammenhängen im Geoland Oder-Spree besser verständlich zu machen und gleichzeitig den Zugang zu Themen der Geowissenschaften zu erleichtern.

 

Binnendünen

Häufig findet man Binnendünen in den Urstromtälern der Eiszeit. Sie entstanden, als am Ende der Eiszeiten Sedimente durch Wind über die vegetationsfreie Landschaft transportiert wurden und sich Sandkörner in Dünen sammelten.

 

Binnensalz-Stelle

Gebiete, in denen im Binnenland Salzwasser das Grundwasser kontaminiert. Häufig kommt es zur Versalzung des Bodens, wo sich eine spezielle Flora und Fauna ansiedelt. An den sich bildenden Binnensalzstellen treten Zechstein Salze beinahe bis an die Oberfläche. Dieser Effekt ist eindrucksvoll zu sehen entlang des Salzweges bei Storkow.

 

Drumlins

Bei Drumlins handelt es sich um von Gletschern überfahrene Geländeoberflächen, die häufig stromlinienförmig in Erscheinung treten und deren Längsachsen in Richtung der Eisbewegung streichen. Charakteristisch sind die gut ausgebildeten Rücken mit steiler Stirnseite und sanft auslaufenden Lee-Enden.

 

Eiszeit

Als Eiszeit bzw. Eiszeitalter werden in der Erdgeschichte Zeiträume bezeichnet, in denen größere, ansonsten nicht vereiste Areale der Erdoberfläche, außerpolare Regionen von vorrückenden mächtigen Gletschern und Inlandeismassen bedeckt sind (Murawski 1977, Hohl et al. 1985) oder nach Ehlers (2011) mindestens ein Pol vergletschert ist.

 

Endmoräne

Eine Endmoräne ist ein wallartig aufgeschüttetes Gesteinsmaterial am Ende eines Gletschers (Gletscherstirn), an dem sich Formgebung und  Struktur der Gletscherzunge nachzeichnet. Bei einer Endmoräne handelt es sich entweder um die Linie eines maximalen Gletschervorstoßes oder um einen Gletscherstillstand. Eine Endmoräne ist Bestandteil der Glazialen Serie.

 

Feldsteine

Hiermit werden Lesesteine oder im Tagebau (Sand- und Kiesgruben) gewonnene Geschiebe aus eiszeitlichen Sedimenten bezeichnet, die in der Vergangenheit zum Bau von Gebäuden, Mauern und Straßen verwendet wurden. Ursprünglich waren Feldsteine nur Lesesteine, die auf Wiesen, Weiden und Äckern gefunden, an den Feldrändern gesammelt bzw. abgefahren wurden.

 

Findlinge

Findlinge sind erratische Blöcke (große ortsfremde Felsblöcke), die durch Gletscher oder Inlandeismassen von ihren Ursprungsgebieten zu ihren heutigen Fundorten transportiert worden sind, beispielsweise von Skandinavien nach Brandenburg. Findinge finden sich in den Rauener Bergen (Kleiner & Großer Markgrafenstein), der Märkischen Schweiz (z.B. Bollersdorfer Stein, Teufelsstein, Echostein) oder auch bei Neuzelle (Kobbelner Stein). Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg hat eine Karte mit dokumentierten Findlingen erstellt.

 

Geotope

Geotope sind erdgeschichtliche Bildungen, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde oder des Lebens vermitteln. Sie umfassen Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralien und Fossilien sowie einzelne Naturschöpfungen und natürliche Landschaftsteile (Bundesamt für Naturschutz 1996) und werden daher geschützt. Der Geotop­schutz als solcher dient nicht nur dem reinen Erhalt geologischer Objekte, sondern dient auch der Bevölkerung, die geologische Situation vor Ort zu veranschaulichen. Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg hat eine Karte mit ausgewählten Geotopen erstellt.

 

Geotourismus

Nach Mergele (2006) ist Geotourismus eine Sparte des Thementourismus, der auf einer Erfassung, Aufarbeitung, Inwertsetzung und Vermarktung der Erd- und Landschaftsgeschichte inklusive ihrer Wechselwirkungen zu Vegetation, Fauna, Kulturlandschaftsgeschichte und zur heutigen Landschafts­nutzung durch den Menschen basiert.

 

Glazialseen und -rinnen

Glaziale Rinnen (Tunneltal) und Glazialseen entstanden in eiszeitlichen Sommermonaten, wenn anfallende Schmelzwasser auf dem Eis über Röhren und Spalten an die Basis des Gletschers flossen. Diese Schmelzwässer an der Basis der Gletscher sammeln sich und strömen mit einer relativ hohen Fließgeschwindigkeit zum Eisrand und erodieren tiefe Rinnen in den Untergrund. Wenn im Winter die Schmelzwässer abnahmen bzw. versiegten, wurden die Hohlformen mit Gletschereis aufgefüllt.

 

Glaziale Serie

Die sogenannte glazigene Serie umfasst alle Ablagerungen und morphologischen Elemente, die sich nebeneinander vor und hinter dem Eisrand bilden. Die bedeutendsten Strukturelemente dieser glazialen Serien sind Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal.

 

Gletscherschrammen        

Gletscherschrammen sind lang gestreckte Kritzungen auf Festgesteinen oder auch Geschiebe, die durch den darüber fließenden Gletscher entstanden sind. An den Kratzern bzw. Rillen lässt sich die Bewegungsrichtung des Eises erkennen.

 

Grundmoränen

Bei Grundmoränen handelt sich um die vom Gletscher mitgeführten Schuttmassen, die direkt vom Eis im Rückland abgelagert (Absetzmoräne) werden, oder die beim Rückzug der Gletscher (Ausschmelzmoräne) heute in Form von Geschiebemergel oder -lehm weite Teile der leicht gewellten bis ebenen Hochflächen bedecken.

 

Halokinese

Da Salz unter Druckeinwirkung plastisch reagiert und zudem eine geringere Dichte als das um­gebende Gestein besitzt, kann es nach oben aufsteigen (Halokinese) und sogenannte Salzkissen und Diapire bilden

 

Holozän

Mit dem Ende der Weichseleiszeit begann vor 11.000 Jahren das Holozän, eine Warmzeit, die bis heute andauert. Kältere und wärmere Klimaphasen wechselten sich auch im Holozän ab. Es wird davon ausgegangen, dass das relativ stabile Klima des Holozäns die Entwicklung menschlicher Hochkulturen begünstigt hat.

 

Kalkstein

Als Kalkstein werden karbonatische Sedimente bezeichnet, die überwiegend aus Calciumcarbonat (CaCO3) bestehen. Weitere mineralische Bestandteile können Dolomit (CaMg(CO3)2), Tonminerale, Quarz (SiO2) und  Gips sein. Bei einem Tonanteil von mehr als 35 % bezeichnet man den Kalkstein als Mergel. Kalkstein kann biogenen Ursprungs sein: das Calciumkarbonat wird von Organismen gebildet und abgelagert. Ebenso kann Karbonat aber auch direkt aus dem Wasser ausgefällt werden (chemischer Prozess) oder es wird abgetragen, transportiert und an anderer Stelle abgelagert.

 

Kames

Als Kames werden wenige Meter bis dutzende Meter hohe Hügel mit steilen Hängen in einer Grundmoränenlandschaft bezeichnt, die zwischen mehreren hundert Quadratmetern bis zu einigen Hektar groß sind. Sie haben einen unregelmäßigen oder rundlichen Grundriss in Rücken- oder Kuppenform. Sie entstehen dort, wo ein Gletscher und seine Schmelzwässer auf ein Widerlager treffen (beispielsweise Toteisblöcke und Hänge) und sich hier die Sedimentfracht (meist Kies und Sand) ablagert.

 

Känozoikum

Das Känozoikum, auch als Erdneuzeit bezeichnet, gehört in das Äon Phanerozoikum und folgt auf das Mesozoikum. Das Känozoikum beginnt vor etwa 66 Millionen Jahren in der Kreidezeit nach dem Massenaussterben u.a. der Dinosaurier und Ammoniten. Das Känozoikum reicht bis in die heutige Zeit. In diesem Erdzeitalter entwickelte sich die heutige Tier- und Pflanzenwelt. Zu Beginn des Känozoikum war es noch sehr warm, doch allmählich kühlte das Klima ab und vor 38 Mio Jahren begann der Südpol zu vereisen. Vor rund 2,7 Millionen Jahren begann die Vereisung des Nordpols und damit der Beginn der jüngsten Eiszeit.

 

Känozoische Eiszeit

Mit dem Begriff Känozoische Eiszeit (Vereisung) wird die derzeitige Eiszeit bezeichnet. Diese begann, als vor ca. 30 Mio. Jahren die Antarktis vergletscherte. Vor etwa 2,7 Millionen Jahren folgte die Arktis-Vergletscherung. Mit der Vergletscherung der Arktis wechseln sich Phasen von Kaltzeiten (Glaziale) mit Warmzeiten (Interglaziale) ab. Die ca. 90.000 Jahre andauernden Kaltzeiten sind durch massive Gletschervorstöße geprägt.  Deutlich kürzer sind die ca. 15.000 Jahre dauernden Warmzeiten. Auch in den Warmzeiten bleibt das Klima im erdgeschichtlichen Vergleich relativ kalt. So treten Vergletscherungen weiterhin in Polnähe auf, sowie auch in höheren Gebirgen, in denen Gletscher meist erhalten bleiben. Die aktuelle „Nacheiszeit“ bzw. das Interglazial wird in der geologischen Zeitskala als Holozän bezeichnet. In Nordwestdeutschland und angrenzenden Gebieten (Niederlande, Dänemark) traten mindestens sechs Kaltzeiten während der känozoischen Eiszeit auf. Anders in Brandenburg gab es dort nach derzeitigem Wissensstand nur drei Vereisungszyklen.

 

Luch

Ursprünglich werden als Luch in Norddeutschland vermoorte Feuchtgebiete bezeichnet. Meist sind sie an die großen Urstromtäler und Seitentäler, den Urstromtalungen, gebunden. Ein steigender Grundwasserspiegel führte im Holozän (Nacheiszeit) zur Entwicklung von Versumpfungsmooren. Sie haben keine natürlichen Fließ­gewässer, die sie entwässern.

 

Moräne

Ablagerungen von Gletschern werden generell als Moränenmaterial (Till) bezeichnet. Sie bestehen meist aus einem Gemisch aus Ton, Schluff, Sand, Kies und Stein (Geschiebe). Auch Findlinge gehören zum Geschiebe - hier handelt es sich um erratische, über 1m3 große Blöcke (lat. Errare – sich verirren). Sie sind im Land Brandenburg als Geotope (geologische Naturdenkmäler) zu schützen.

 

Muschelkalk

Ehemalige lithostratigraphische Einheit der norddeutschen Trias (also den triasischen Ablagerungen nördlich der Alpen),  die vor 243 bis 235 Millionen Jahren in der mittleren Trias entstand. Charakteristisch für diese Gesteinseinheit sind fossilführende, kalkige Ablagerung, die sich in flachen Meeresbecken bildeten und in Resten von Armfüssern (Brachiopoden), Muscheln (Bivalvia) und Seelilien (Crinoiden) enthalten sind.

 

Oser

Bei Oser, die auch als Wallberg oder Esker bezeichnet werden, handelt es sich um bahndammähnliche, bis 20 m hohe, mehrere km lange Aufschüttungen aus schichtig angeordneten Schmelzwassersanden und –rinnen, die sich während der Kaltzeit unter dem Gletschereis bildeten. Sie entstanden durch subglaziale Schmelzwässer, die sich auf dem Gletscher entwickelten und auf ihrem Weg nach unten Moränenmaterial mitführten und unterhalb des Eises ablagerten.

 

Quartär

Das Quartär ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte. Er schließt das Holozän und damit die Gegenwart ein. Das Quartär beginnt vor etwa 2,6 Millionen Jahren, mit der Vergletscherung der nördlichen Hemisphäre und dauert bis heute an. Die Entwicklungsgeschichte des heutigen Menschen fällt in die Zeitepoche des Quartär.

 

Raseneisenstein

Als Raseneisenstein (auch bekannt als Rasenstein, Moorstein, Sumpf(eisen)erz, Seeerz, Rasenerz) werden Eisenhydroxid Anreicherungen in feuchten Böden, Mooren oder auch Seen bezeichnet. Häufig werden dabei Pflanzenreste inkrustiert (umwachsen) bzw. Substrat (z.B. Sandkörner) wird durch das Eisenhydroxid in Konkretionen oder Bodenhorizonte verbunden. Raseneisensteine entstehen, wenn in Böden durch humide Säuren gelöstes Eisen bei Kontakt mit Sauerstoff ausfällt z.B. durch Absenkung des Grundwasserspiegels oder dadurch, dass durch Bakterien Eisenoxid ausfällt. Raseneisenstein kann aufgrund einer 20 bis 40 %igen Eisenkonzentration zur Eisengewinnung genutzt werden. Raseneisenstein wird aber auch als Baustoff verwandt.

 

Rummeln

Als Rummeln bezeichnet man Trockentäler, die während der Eiszeit entstanden, als der gefrorene Boden kein Schmelzwasser aufnehmen konnte, das Wasser deshalb oberflächlich abfloss und dabei riesige Furchen hinterließ. Später vertieften sich die Täler durch vom Menschen verursachte Bodenerosionen.

 

Salzzyklus

Jeder Salzzyklus beginnt mit einer transgressiven Phase (Transgression: Vorrücken des Meeres auf Festland) bzw. mit höherem Wasserzufluss - der Wasseraustausch endet mit dem Rückzug des Meeres,  der Zufluss an Wasser versiegt. Die starke Sonneneinstrahlung führt zur Verdunstung des Wassers. Dadurch kon­zentrieren sich die im Wasser gelösten Mineralien, wodurch sich zuerst Karbonate, dann Sulfate und schließlich Salze ausscheiden. Nicht immer ist ein vollständiger Ablagerungszyklus gegeben. Ein vollständiger karbonatisch-evaparotischer Ablagerungszyklus besteht bei Karbonaten (Kalk, Dolomit), Sulfaten (Gips, Anhydrid), Stein-, Kali- und Magnesiumsalze (Natriumchlorid, Kaliumchlorid, usw).

 

Sander

Sander bilden sich im Vorland von Gletschern, wo Schmelzwasser in Schmelzwasserrinnen über ausgedehnte Sand- und Schotterflächen vor den Gletschern zum Urstromtal abfließen.

 

Schwemmkegel

Schwemmkegel werden auch Schwemmfächer, Geröllfächer, Sandurs oder alluvialer Fächer genannt. Sie entstehen dort, wo ein Fluss oder ein Bach schnell an Gefälle verliert. Dort bildet sich mit Abnahme der Fließgeschwindigkeit und Transportkapazität ein dreieckiger oder kegelförmiger Schwemmfächer aus Sand und Kies.

 

Sölle (Toteisseen)

Wo unter dem Geröll große Eisblöcke zurückblieben und nur langsam abtauten (Toteisblöcke), bildeten sich später Hohlformen, in denen Seen und Moore entstanden (Sölle und Glazialseen). Sölle sind heute als ausgewiesene Geotope geschützt oder fallen unter den Naturschutz, weil sie als Kleingewässer in einer häufig aufgeräumten Ackerlandschaft Lebensraum für viele Tierarten bilden.

 

Stauchmoräne

Stauchmoränen entstehen, wenn vorstoßende Gletscher aufgrund ihres Eigengewichts und ihrer kinetischen Energie liegendes Gestein zu Falten oder zu Schuppen aufstauchen. Häufig kann dieses Phänomen an der Gletscherfront/-stirn beobachtet werden - dann spricht man von der Stauchendmoräne.

 

Tertiär

Tertiär ist die veraltete, jedoch häufig verwendete geologische Bezeichnung für einen geologischen Zeitabschnitt, der vor 65 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit, nach dem großen Massenausstreben der Dinosaurier und vieler anderer Tierarten (z.B. Ammoniten) begann und bis zur beginnenden Vereisung der Nordhalbkugel der Erde vor rund 2,6 Millionen Jahren andauerte. Das Klima auf der Erde war im Tertiär wesentlich wärmer als heute, kühlte jedoch kontinuierlich ab.

 

Urstromtäler

Urstromtäler sind breite Talniederungen, die sich in der känozoischen Eiszeit beziehungsweise in den einzelnen Stadien einer Eiszeit vor dem Inlandeisschild entwickelten. Sie entstanden durch das mehr oder weniger eisrandparallele Abfließen des Schmelzwassers im Känozoikum Nordeuropas.

 

Zeitalter der Erde

Für das geologische Zeitalter der Erde wurde mit Hilfe der IUGS (International Union of Geological Sciences) eine stratigrafische Einteilung erarbeitet, die für wissenschaftliche Publikationen bindend ist. Um eine bessere Übersichtlichkeit zu erreichen, sind geologische Zeittabellen nach folgendem Schema aufgebaut:

  • Äon (Eon) (griech.: eine Ewigkeit)

  • Ära (Era) (griech.:ein Zeitraum)

  • Periode (Period) (griech.: ein sich wiederholender Abschnitt)
  • Epoche (Epoch) (griech.: epoch, epoché = Haltepunkt)
  • Alter (Age)

Detailliertere Informationen zur Erdgeschichte können unter dem Link der gelologischen Zeittafel im Mineralienatlas abgerufen werden.